Schulze-Delitzsch und Raiffeisen

1808

...wer die Verantwortlichkeit von sich weist, weist auch die Freiheit von sich!

Diesem Leitsatz widmete Hermann Schulze-Delitzsch, der am 20. August 1808 in dem kleinen sächsischen Städtchen Delitzsch geboren worden ist, sein Wirken bis zu seinem Tod im Jahre 1883. Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung - dies sind die drei Pfeiler, auf denen Hermann Schulze-Delitzsch seine Idee der Vorschuss- und Kreditvereine zur Unterstützung für das kleine und mittelständische Handwerk aufbaute. Die beginnende Industrialisierung und die Abschaffung der Zünfte führten dazu, dass sich viele Gewerbetreibende nicht mehr ausschließlich auf ihre handwerklichen Fähigkeiten verlassen konnten, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die Geldbeschaffung erwies sich gerade für diese Gruppe als sehr schwierig, da es noch keine speziellen „Banken" für sie gab. So wandten sich viele Ratsuchende an herumreisende „Geldverleiher", die sich in den meisten Fällen als Wucherer entpuppten und somit nicht die erhoffte Hilfe brachten, sondern neue Sorgen und Abhängigkeiten.

 

1850

Was den einzelnen nicht möglich ist, dass Vermögen viele, das vermag eine Anzahl von Bewohnern einer Gemeinde oder eines Bezirks …

Diese Erkenntnis des Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen machte sich auch Hermann Schulze-Delitzsch zu eigen und gründete im Jahre 1850 den ersten Vorschuss- und Kreditverein. Aus diesen aus der Not geborenen Gemeinschaften entwickelte sich im Laufe der Jahre eine der stärksten Vereinigungen in der Geldwirtschaft. Die Grundsätze der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung prägen auch heute noch, 140 Jahre nach der Gründung der ersten „Hilfsvereine" durch Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen, das Genossenschaftswesen auf der ganzen Welt.

 

Hermann Schulze-Delitzsch
Hermann Schulze-Delitzsch
1808 - 1883
Friedrich Wilhelm Raiffeisen
Friedrich Wilhelm Raiffeisen
1818 - 1888

Die ersten Geschäfte in Eppingen

1868

Am 1. Januar 1868  nimmt der Vorschussverein Eppingen seine Arbeit im Hause des Kaufmanns Paul Bentel in der Brettener Straße auf. Zehn Jahre lang bekleidet Bentel mit außergewöhnlichem persönlichem Einsatz das Amt des Rechners. Da es in der unmittelbaren Umgebung von Eppingen keine vergleichbaren Initiativen gibt, ist die glänzende Entwicklung des noch jungen Vereins um so bemerkenswerter.

Die Pioniere des Vorschussverein Eppingen

1878

So hinterlässt Bentel ein wohlbestelltes Arbeitsfeld, als er im Jahr 1878 sein Amt dem Rechner Gustav Neudeck übergibt. Gleichzeitig mit diesem Wechsel an der Führungsspitze des Vereins werden auch die Geschäftsräume in das Haus Brettener Straße 39 verlegt. Unter der neuen Leitung nimmt der Verein einen weiteren sprunghaften Aufschwung. Sehr positiv beeinflusst wird die Entwicklung des Kraichgaustädtchens Eppingen und des Vorschussvereins durch den Eisenbahnanschluss an Karlsruhe und Heilbronn in den Jahren 1879-1880. Bereits im Jahre 1879 müssen an manchen Sitzungstagen bis zu 123 Darlehensgesuche beraten werden und dies bei einem Sitzungsrhythmus von 14 Tagen.

Paul Bentel
von 1868 - 1878 im Vorschussverein.
Gustav Neudeck
von 1878 - 1908 im Vorschussverein.

Eröffnungsbilanz 1948

1948

Bilanzsumme 1,1 Millionen DM / 883 Mitglieder
Mit dieser Eröffnungsbilanz in "Deutsche  Mark", welche eine Bilanzsumme von 666.367,49 DM ausweist bricht für die Volksbank Eppingen eGmbH mit ihren 785 Mitgliedern nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Ära an, die von so vielfältigen  gesellschaftlichen und politischen Neuerungen geprägt ist wie wohl kaum ein Zeitabschnitt zuvor.
Unter der Leitung der Vorstände Philipp Vielhauer, Otto Maier (beide hauptamtlich), Heinrich Vogel, Otto Hoffmann und Emil Bitterich (jeweils ehrenamtlich) nimmt das Geldinstitut eine bemerkenswert positive Entwicklung. Unterstützung finden diese Männer in einem Aufsichtsrat der die Bemühungen der Vorstände, die Volksbank Eppingen zu einer modernen Universalbank zu machen, zielstrebig  fördert.  Bereits im Jahre 1949 ist die Bilanzsumme wieder auf DM 1,1 Millionen gestiegen, und das Vorstandsgremium kann auf den Rückhalt von 883 Mitgliedern bauen. 

Stetiger Wachstum der Volksbank Eppingen

1951

Das stetige Wachstum der Bank ist immer begleitet von dem Bemühen aller Verantwortlichen, den Bedürfnissen der Mitglieder und Kunden nach optimaler  Beratung und Betreuung gerecht zu werden. So ist es aus der Sicht der Vorstände eine Selbstverständlichkeit, grundsätzlich allen Kunden der Bank den gleichen Service zu bieten, auch wenn sie nicht in Eppingen wohnen. Zunächst  wird in den Gemeinden Gemmingen, Mühlbach, Richen und Sulzfeld versucht, den rapide anwachsenden Kundenkreis durch Hausbesuche zu bedienen. Nachdem  jedoch die Ausdehnung des Kundenstammes solche Ausmaße annimmt, dass mit diesen Hausbesuchen eine optimale Betreuung der Kunden nicht mehr gewährleistet ist, müssen in diesen Gemeinden entsprechende Räume eingerichtet werden, um den Sicherheits­- und Beratungsbedürfnissen gerecht zu werden. Die Kunden in Sulzfeld werden fortan im Hause der Familie Philipp Götter in der Hauptstraße bedient. Bereits 1957 werden in Richen zweimal in der Woche die Bankgeschäfte im Hause der Familie Albert Kraut in der Hauptstraße abgewickelt.

Fusion der Volksbanken Sinsheim-Bad Rappenau und Eppingen zur Volksbank Kraichgau

2001

Die Volksbank Sinsheim-Bad Rappenau fusionierte im Jahr 2001 mit der ehemaligen Volksbank Eppingen zur Volksbank Kraichgau. Mit 96% der Eppinger Volksbank-Vertreter Stimmen wurde am 27. April 2001 der Zusammenschluss der Volksbank Eppingen mit dem Partnerinstitut Sinsheim/Bad Rappenau geebnet. Durch die Fusion der beiden Volksbanken zur ,,Volksbank Kraichgau“ entstand eine Genossenschaftsbank mit 26 539 Mitgliedern, 307 Mitarbeiter und 30 Zweigstellen. Die Eppinger Volksbank-Vertreter waren sich einig, dass eine Fusion der Banken für die ,,wirtschaftliche Gesundheit“ der ländischen Kreditgenossenschaft zwischen den Ballungsräumen Heidelberg, Heilbronn und Karlsruhe zugutekommt. Mit einer ,,neuen“ Bilanzsumme von 1,9 Milliarden Mark war man sich im Kraichgau sicher dem wachsenden Wettbewerbsdruck entgegenhalten zu können.

Eppinger Bankführung
Aufsichtsrat Kurt-Otto Michael sowie die Vorstandsmitglieder Wolfgang Bartsch und Wilhelm Rau mit Oberprüfer Franz Prokosch vom Badischen Genossenschaftsverband (von links)

Erste Gespräche zu einer möglichen Fusion der Volksbanken Kraichgau und Wiesloch

2008

Es finden erste Gespräche zu einer möglichen Verschmelzung der Volksbanken Kraichgau und Wiesloch statt.

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